Vorträge 2019/2

Wir setzen unsere Reihe "Hommage an Alexander von Humboldt" im Herbst fort mit folgenden Vorträgen:

Freitag, 11. Oktober 2019, spricht um 19,30 Uhr im Angletsaal
Dipl. Geograph Dr. Ludwig Fugmann aus Ansbach über:
"Auf den Spuren Alexander von Humboldts in Mexiko".
Das Ende seiner amerikanischen Reise (05.06.1799 - 03.08.1804) führte Alexander von Humboldt nach Neu-Spanien, dem heutigen Mexiko. Er hatte zunächst vor, sich nur einige Monate hier aufzuhalten, doch "die Anziehungskraft eines ebenso schönen wie abwechslungsreichen Landes und die ausgeprägte Gastfreundschaft seiner Bewohner" ließen ihn nahezu ein Jahr in Neu-Spanien verweilen. Obwohl er sich auf seiner Reise nirgendwo länger aufhielt als in Mexiko, wird dieser Teilabschnitt häufig nur am Rande behandelt.
Dabei hatte er, wie niemand vor ihm, Zugang zu sämtlichen Institutionen und Archiven, was es ihm ermöglichte, überaus viel Material zu sammeln. Er analysierte Wirtschaft und Gesellschaft und sparte nicht mit Kritik an den bestehenden Strukturen.
Auf seinen Exkursionen galt sein besonderes Interesse dem Vulkanismus, den Bergwerken, den altmexikanischen Kulturen und der Vermessung und kartographischen Erfassung des Landes. Sein Mexiko-Werk gilt als die erste umfassende wissenschaftlich-geographische Länderkunde.


Freitag, 15. November 2019, hält um 19,30 Uhr im Angletsaal
Prof. Dr. Markus Reindel vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI), Bonn, einen Vortrag über:
"Die Bodenzeichnungen der Nasca-Kultur im Süden Perus vor dem Hintergrund der Klima- und Landschaftsgeschichte der Anden".
Alexander von Humboldt erarbeitete bei seinen Reisen nach Lateinamerika Ende des 18. Jh. die Grundlagen für das Verständnis der Landschaftsgeschichte der Hochgebirge in den Tropen. Sowohl in Mexiko als auch in den Andenländern Südamerikas machte er Beobachtungen, auf die spätere Geographen, insbesondere in Deutschland, aufbauen konnten. Noch heute wird über die komplizierten Zusammenhänge geforscht, die das Klima und die Landschaft in den Anden prägen.
Eine der faszinierenden Regionen der Anden liegt im Süden Perus, wo sich zwischen der Küstenwüste und den schneebedeckten Gipfeln der Westkordillere der Anden fast alle Klimazonen der Erde auf kurzer Distanz befinden. Dort entwickelte sich zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. die Nasca-Kultur. Die Bodenzeichnungen der Nasca-Kultur gelten als eines der großen Rätsel der Weltarchäologie. Seit über 20 Jahren erforscht Markus Reindel vom Deutschen Archäologischen Institut die Bodenzeichnungen und die Siedlungsgeschichte der Region, in Zusammenarbeit mit Forschern unterschiedlichster Disziplinen. Im Laufe der Forschungen ergaben sich erstaunliche neue Erkenntnisse zum Wandel von Kultur und Landschaft, die letztendlich auch zum Verständnis der Bodenzeichnungen beitragen. Nach heutigem Verständnis war die Wüste von Nasca eine Rituallandschaft für Wasser- und Fruchtbarkeitskulte, die im Zusammenhang mit klimatischen Veränderungen in vorspanischer Zeit zu verstehen ist.


Freitag, 29. November 2019, spricht um 19.30 Uhr im Angletsaal
Prof. Dr. Michael Richter vom Geographischen Institut der Universität Erlangen über:
"Ecuador - Vielfalt auf kleinem Raum".
Fast 15 Jahre lang bildete Ecuador einen Forschungsschwerpunkt des Referenten, wo er unter anderem in einem Forschungsprojekt zur Ökologie und Biodiversität der bedrohten Bergregenwälder im Süden des Landes tätig war. In dem Vortrag wird er allerdings einen weiteren Bogen schlagen und die große Vielfalt des Landes, die vor allem durch seine Reliefgestalt gegeben ist, anhand von sechs Beispielen beleuchten. Hierzu zählen neben den teilweise vergletscherten Vulkanen mit dem Chimborazo als "höchstem Berg der Welt" die Páramos mit ihrer eigentümlichen Hochgebirgs-Pflanzenwelt im Norden des Landes.
Auch wenn der andine Raum den räumlichen Schwerpunkt im bilderreichen Vortrag bildet, so soll die fortschreitende Vernichtung der Tiefland-Regenwälder und Bedrohung der Indianer durch verschiedene Landnutzungsformen nicht unerwähnt bleiben. Die Skizzierung der Natur und insbesondere der Biodiversität des selbst bei Ecuador-Kennern weitgehend unbekannten, aber landschaftlich grandiosen Südens bildet den Anschluss der physisch-geographischen Betrachtungen.
Kulturgeographische Aspekte werden in Ausführungen zur Entwicklung der städtischen Differenzierung in der Hauptstadt Quito berührt. Hierzu bilden Erfahrungen zu den Lebensbedingungen in einer jungen und einer traditionellen Goldgräberstadt (Nambija und Zaruma) ein Kontrastprogramm. Abschließend wird in Vilcabamba im "Tal der Hundertjährigen" eingekehrt, von wo aus mit einer finalen Bilderreihe über Forscher-Strapazen und -Freuden in einem nicht überall leicht zugänglichen Land ein launiger Ausstieg erfolgt.


Freitag, 13. Dezember 2019, bringen wir um 19.30 Uhr im Angletsaal zum Abschluss unserer Humboldt-Hommage einen Vortrag von
Dr. Frank Holl, dem Leiter der Münchener Wissenschaftstage, über:
"Alexander von Humboldts Einfluss auf Amerika und Europa".
Der Name keines anderen Wissenschaftlers ist auf der Welt in Orten, Straßen, Dingen, Tier- und Pflanzennamen so präsent wie der Alexander von Humboldts. Woran liegt das? Warum wird Humboldt diesseits und jenseits des Atlantiks bis zum heutigen Tag so hoch geschätzt? Sind es überall die gleichen Gründe, oder hat jedes Land einen anderen Zugang zu seinem Werk? Mit anderen Worten: Gibt es verschiedene Humboldt-Rezeptionen? Wie verliefen sie? Welchen Einfluss hatte Alexander von Humboldt auf die Naturwissenschaften? Wie groß war seine Wirkung auf die Politik? Gab und gibt es neben dem überschwänglichen Lob auch Kritik an Humboldt?
Indem sich der Vortrag dem Forscher aus verschiedenen Perspektiven nähert, versucht er, Humboldts Werk und seine Persönlichkeit greifbarer zu machen.